Nach unserem gestrigen 4-Gänge-Menü haben wir gut ge- und wie immer alle wichtigen Olympia-Entscheidungen verschlafen. Beim Frühstück setzte sich der bisherige überragende Eindruck fort und weckte Zweifel an unserem Willen, weiter zu fahren. Zum Glück (oder auch leider) hatten wir unseren Pausentag schon aufgebraucht, so dass wir wohl oder übel den Rucksack packen und dieses grandiose Domizil verlassen mussten. Es wartete die längste Etappe der Tour mit ca. 75 Kilometern, welche sich auf zu erwartende 2.000 Höhenmeter verteilen sollte.

Ordentlich gestärkt mit Brötchen, Müsli, Kaffee, Obst und frischem Orangensaft begann der Tag mit fluffigen 200 Höhenmetern und einer darauffolgenden Abfahrt, welche aber jäh von einer mitten auf dem Trail parkenden Horde Kühe unterbrochen wurde. Da die Großen offenkundig die Kälber beschützen wollten und unser Bedarf an Konflikten mit den einheimischen Rindern gering war, mussten wir nach langwierigen aber erfolglosen Verhandlungen den Weg durchs Gestrüpp wählen. Die Kühe jedenfalls waren zu keinen Kompromissen bereit. 

Die Abfahrt endete an der Straße zum Passo Lavazé und so hieß es wieder strampeln. Diesmal angenehm auf Asphalt bis auf 1.808 m und dann weiter Richtung Jochgrimm, welches vom Schwarzhorn (corno nero) und Weihorn (corno bianco) eingerahmt wird. Leider verhüllten die Wolken den Blick auf die Gipfel. 

Die nachfolgende Abfahrt war die bislang längste der Tour und einfach nur zum Genießen. Knapp 10 Kilometer ging es zunächst über einen gut fahrbaren Schotterweg und zum Schluss über eine Passstraße knapp 1.000 Höhenmeter ins Tal nach Kaltenbrunn. 

Nach einer kurzen Brötchenpause begann der letzte große Anstieg des heutigen Tages. Von 1.000 m ging es über Schotter- und Waldwege bis auf 1.710 m. Anstiege von 11-17 Prozent ließen einen insgeheim nachvollziehen, warum hier so viele E-Bikes rumradeln. Aber für uns kommt sowas (noch) nicht in Frage und so kurbelten wir was das Zeug hält. Oben angekommen gab’s Speckknödelsuppe, Kaiserschmarren und Apfelstrudel. 

So gestärkt lagen noch 45 Kilometer vor uns, von denen wir nicht so richtig einschätzen könnten, was auf uns zukommen würde. 

Am Ende war die Sorge von einem erneuten Schiebemarathon aber unbegründet. Über Stock und Stein ging es ständig bergab und bergauf. Die frisch geputzten Bikes sahen spätestens jetzt wieder aus wie nach einer Runde Schlammcatchen. Zum Schluss entschieden wir uns dann noch für eine kleine Streckenänderung. Die Passstraße ins Tal von Lavis war einfach verlockender als ein weiterer Schlamm-Trail 😏.

Und so sitzen wir jetzt im Ristorante Due Giganti in Trento und genießen bei einem zünftigen Burger unseren vorletzten Abend. 👍🏼