So sehen also ruhige Etappen aus. 67 Kilometer mit langen Bergabpassagen, nur einem Berg und überschaubaren 1.500 Höhenmeter. 

Das hatten wir uns sicher anders vorgestellt. Nach einem etwas längeren Schlaf und typisch italienischen und damit leider überschaubaren Frühstück ging es aus Prettau mit zuerst 40 km/h auf der Straße und dann gemütlich über Wiesen- und Radwege bergab bis nach Sand in Taufers. Dank Maria Himmelfahrt waren außer uns gefühlt auch alle Einheimischen und Touri’s unterwegs und die Umzüge der Trachtenträger offenkundig das Highlight in jedem Ort.

Kurzer Zwischenstopp an der Apotheke und dann weiter in aller Ruhe bis nach Bruneck, wo mit ca. 1.100 Höhenmetern der einzige Anstieg bis zum Kronplatz auf uns wartete.

An der Talstation wurde noch ein kurzer Boxenstopp eingelegt. Der Fahrradverleih hatte trotz Feiertag offen und sogar Bremsbeläge, so dass wir professionell und schnell Matthi’s Bike auf Vordermann bringen konnten. Mit Bremsbelägen fährt sich’s schließlich besser. 


Ein kurzer Blick zurück zeigte eine dunkle Gewitterfront über dem Alpenhauptkamm. Aber optimistisch wie wir sind hatten wir kurzerhand festgelegt, das diese Wolke nicht zu uns zieht. 

Also ging’s los und schon nach wenigen Metern war klar, dass auch dieser Anstieg tendenziell dem zweistelligen Prozentbereich zuzuordnen war. Es drohten uns also wieder die Ritzel auszugehen. Ich fuhr ein wenig vornweg und verfluchte den sandigen Untergrund. Das Navi schwankte zwischen 10 und 15 Prozent und entgegen unseren optimistischen Prognosen wollte das Gewitter offenbar doch kurz vorbeischauen. Der Donner kam immer näher und dann begann es zu regnen. Damit nicht genug fielen die Temperaturen um gefühlte 10 Grad und aus Regen wurde Hagel.

Als mein Telefon klingelte ahnte ich schon, was kommt. Matthi und Störmi hatten die Rückreise zur Talstation angetreten. Kurzer Blick auf die Höhe und meine Körpertemperatur führten zu der Entscheidung weiter zu fahren, war ich doch schon völlig durchnässt und hatte Sorge bei der Abfahrt weiter auszukühlen. Und so ging es für mich allein weiter bei Donner und Hagel. Langsam ließ der Regen nach und es wurde wieder heller. 

Störmi schickte zwischendrin liebevolle Nachrichten und den Standort der gewählten Berghütte. Dies lag nicht auf unserer Route, sondern noch einmal 200 Höhenmeter darüber. Grrrr. Mein Humorhorizont war kurzzeitig ein wenig gesunken, aber es war ja selbstgewähltes Schicksal. Bei mir sah es inzwischen so aus:


Bei den Jungs so:


Beinahe wären die Jungs übrigens umsonst umgekehrt. Der Liftwicht von der Talstation (auch Gondelguru genannt) gab beiden zu verstehen, dass bei dem Gewitter keine Fahrten stattfinden und die Seilbahn stillsteht. In der Zwischenzeit stiegen gefühlte Massen aus den Gondeln, die von oben ankamen. 


Nach einer gefühlten Ewigkeit war auch ich angekommen. Unglaublich was ein heißer Kräutertee und ein Apfelstrudel so bewirken können. 

Dann ging es warm eingepackt bergab bis zu unserem heutigen Zwischenziel St. Vigil. Ein wirklich schönes 2*-Hotel mit Pizzeria warteten auf uns. 

Am Ende war es wieder ein anspruchsvoller Tag. Morgen geht es weiter nach St. Ulrich und dann gibt es einen Tag Pause.


Impressionen: